Status: Nicht angemeldet

Wird das Handy zur mobilen, digitalen Geldbörse?

Viele Verbraucher beim mobilen Bezahlen skeptisch

29.09.2011

Spätestens seit der Ankündigung von "Google Wallet", einem mobilen Bezahldienst per Handy, ist das Thema "Bezahlen via Nearfield Communication (NFC)" in aller Munde. Dabei vertritt beispielsweise der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) eine ganz eigene Auffassung zu dem neuen Service: Er findet den Google-Dienst zu unsicher. Begründung: Die Anforderungen an den Datenschutz seien nicht ausreichend erfüllt, so Wolfgang Adamiok, Leiter der Sparte Zahlungsverkehr des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), zum Nachrichtenmagazin Focus.

Demgegenüber will der DSGV die Einführung von EC-Karten, die NFC-Services unterstützen, selbst vorantreiben. Damit wolle der Verband den Handy-Anbietern zuvorkommen, die natürlich keine bankenspezifische Lösung unterstützen würden.

Laut Focus soll auch das Szenario für die Einführung der EC-Karten mit Nahfunktechnik an Bord deutlich gestrafft werden: Statt wie geplant bis Ende 2015 will der Verband den Austausch eines Großteils der 45 Millionen im Umlauf befindlichen EC-Karten innerhalb der kommenden zwei Jahre vollführen.

Für den Handel bedeutet die neue Entwicklung: Zukünftig muss an der Kasse ein entsprechendes NFC-Gerät stehen. Denn wer auch immer die Nase vorn haben wird: Bestimmte Kundengruppen werden in Zukunft per Funk mit dem Smartphone und/oder der EC-Karte bezahlen wollen.

Die Sparkasse jedenfalls hat bereits einige große Partner im Handel für sich gewinnen können: So sind Lebensmittelhändler Edeka, die Parfümeriekette Douglas oder auch eine große Tankstellenkette schon mit eingestiegen.

Dass das mobile Bezahlen zum Standard wird, ist nach Ansicht aller Marktbeobachter nur eine Frage der Zeit. In entwickelten Ländern wie Südkorea oder den USA sind solche Bezahldienste bereits stark auf dem Vormarsch. Die deutschen Konsumenten wiederum scheinen hier etwas skeptischer zu sein - abgesehen von dem technischen Rollout, der erst langsam beginnt. Aber immerhin ein Viertel der Deutschen könnte sich vorstellen, die Einkäufe künftig mit dem Handy zu bezahlen.

Noch etwas besser schneidet derzeit das angekündigte mobile Zahlsystem für EC-Karten ab. 28 Prozent halten die mit einem Funk-Chip ausgestatteten Bankkarten für ein attraktives neues Bezahlverfahren.

Für 54 Prozent der Deutschen kommt jedoch zurzeit jegliche Nutzung mobiler Zahlsysteme nicht in Frage. Das ist das Ergebnis einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage der Unternehmensberatung Putz & Partner. 1.000 Bundesbürger wurden zu ihrer Meinung nach mobilen Bezahldiensten befragt.

Kritisch wird von den Bürgern die Sicherheit beim Bezahlen per Handy bewertet – darin sind sie sich mit dem DSGV einig. Ein Schock für die Banken: Knapp 45 Prozent der Befragten trauen gegenwärtig keinem Unternehmen zu, den nötigen Schutz für das Mobile Payment gewährleisten zu können. Aufgeschlüsselt nach Branchen schneiden hier die Banken jedoch besser ab als die Telekommunikationsunternehmen. Während gut jeder dritte Befragte bei den Kreditinstituten eine hohe Kompetenz zur Absicherung mobiler Zahlverfahren vermutet, sind es bei den Telekommunikationshäusern nur 17 Prozent.

Überraschend großzügig kalkulieren die Befürworter mobiler Zahlsysteme die Höchstbeträge, die aus ihrer Sicht per Funk-Chip täglich abgebucht werden dürften. So würden sich knapp 30 Prozent der Befragten mit einem Limit von 1.000 Euro oder mehr einverstanden erklären. 21 Prozent plädieren für eine Beschränkung auf 400 Euro am Tag.

„Anhand der Umfragedaten wird klar, dass für die Betreiber mobiler Zahlungssysteme noch eine große Herausforderung darin besteht, Vertrauen zu schaffen“, sagt Joachim Nickelsen, Managementberater bei Putz & Partner. Das kann beispielsweise durch erfolgreiche Pilotprojekte, nachweislich höchste Sicherheitsstandards sowie ein klares und einfaches Handling der Bezahlfunktion erfolgen“.

(Foto: Sparkasse)

zurück zur Übersicht


Aktuelles Heft

MiniLAB Spezial

Einkaufsführer und komplette Marktübersicht über alle in Deutschland angebotenen kompakten Schnelllabors.Übersichtlich in bebilderten Checklisten geordnet. Mit den aktuellen Geräteneuheiten, Informationen zum Markt und zu Fragen rund ums MINILAB-Marketing.

Werbung