Dass die über Produkte geäußerten Bewertungen und Erfahrungsberichte im Internet einen Einfluss auf das Konsumverhalten der potenziellen Käufer hat, ist schon seit Jahren bekannt. Das Beratungsunternehmen Fittkau & Maaß Consulting hat in seiner „29. WWW-Benutzeranalyse W3B“ die These mit handfesten Zahlen hinterlegt. Diese sollten auch Händler aufhorchen lassen – denn Nutzer vertrauen mitunter mehr auf Nutzermeinungen als auf werbliche (oder vielleicht auch „verkäuferische“) Aussagen, und auch viel mehr als bislang von vielen angenommen. Darum sollte der Handel zumindest so weit im Thema sein, dass er gängige Kundenmeinungen zu seinen Produkten aus dem Web auch kennt. Anderweitig könnten sich Verkaufsgespräche schnell zur „Bauchlandung“ entwickeln.
Demnach greift nahezu jeder Internet-Nutzer (88 Prozent) zumindest gelegentlich auf nutzergenerierte Produktrezensionen zurück. Fast jeder Vierte (23 Prozent) zählt sogar zum Kreis der aktiven Leser: Diese rufen Nutzermeinungen mindestens einmal pro Woche ab.
Von Nutzern verfasste Rezensionen zeigen deutliche Wirkung: Sie beeinflussen erheblich Markenbilder sowie die konkrete Produktwahl. Fast jeder zweite Internet-Nutzer gibt an, dass Nutzermeinungen schon seine Meinung von einer Marke bzw. einem Produkt beeinflusst haben. Fast jeder Zweite hat aufgrund von nutzergenerierten Rezensionen schon einmal einen bestimmten Kauf getätigt. Und mehr als jeder zweite Nutzer wurde durch sie schon vom Kauf eines konkreten Produktes abgehalten! Unter den aktiven Lesern von Nutzermeinungen fallen diese Werte sogar noch höher aus.
Überrascht waren die Forscher von Fittkau & Maaß Consulting von dem überaus guten Image dieses nutzergenerierten Content. So stimmt fast die Hälfte der Internet-Nutzer (46 Prozent) dem Statement »Nutzermeinungen/-bewertungen im Internet sind informativer als andere Informationsquellen« zu. Lediglich 12 Prozent lehnen es ab. Mit 41 Prozent der Nennungen halten zudem die meisten die Meinungen anderer Nutzer für »glaubwürdiger als andere Informationsquellen«. Dieses Statement lehnten nur 17 Prozent der Befragten ab.
Somit ist es nicht verwunderlich, dass das Lesen nutzergenerierter Produktbewertungen keinesfalls nur aus allgemeinem Informationsinteresse heraus erfolgt. Vielmehr ruft die Mehrheit (59 Prozent) sie ganz gezielt ab, um Kaufentscheidungen vorzubereiten.
Und hier kommt ein ganz wesentlicher Punkt für den Fachhandel der Consumer Electronics: Vor allem beim Kauf von Technikprodukten werden Nutzermeinungen als besonders relevant empfunden. Auch vor Reisebuchungen, vor dem Kauf von Automobilen sowie vor dem Abschluss von Versicherungen spielen sie eine sehr wichtige Rolle.
Die vor einigen Jahren von vielen Nutzern noch kritisch beäugte (Un-)glaubwürdigkeit nutzergenerierter Produktbewertungen ist damit Vergangenheit: Heute vertrauen viele Internet-Anwender lieber dem Rat anderer Nutzer als den Angaben der Hersteller. „Der von den Anbietern kreierten bunten Werbe- und Imagewelt wird eine neue handfeste Komponente hinzugefügt: in Form praxisnaher Konsumentenbewertungen und -erfahrungen“, urteilen die Marktforscher.
Nutzergenerierte Produktrezensionen als Basis für Kaufentscheidungen sind somit keine Zukunftsmusik – sondern bereits heute eine bestehende, ernstzunehmende Größe im Online-Vertriebs- und Marketingmix von Unternehmen. (Foto: Pixelio/Bernhard Müller)

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