Anfang Mai "hagelt" es gewöhnlich die Geschäftsberichte der japanischen Imaging-Konzerne. Dieses Mal geben sie ein gemischtes Bild ab, und - bedingt durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen - mussten mehrere Konzerne Einbußen hinnehmen. INPHO fasst hier die wichtigsten Ergebnisse kurz zusammen.
Canon
Ganz untypisch für Japaner, fällt bei Canon das Ende des Geschäftsjahres mit dem des Kalenderjahres zusammen. So lag der Geschäftsbericht 2007 schon Anfang des Jahres vor. Dort sprach Canon noch euphorisch über das Jubiläumsjahr und konnte von einem Rekordhoch beim konsolidierten Nettoumsatz sowie beim Nettogewinn berichten: So wuchs beispielsweise der konsolidierte Nettoumsatz um 7,8 Prozent auf rund 4,5 Billionen Yen. Besonders erfolgreich war der japanische Imaging-Marktführer in Europa (wo man seit 50 Jahren aktiv ist): Hier stieg der Umsatz um etwas mehr als 14 Prozent auf knapp 1,5 Billionen Yen.
Im ersten Quartal 2008 wiederum sieht auch die Welt für Canon leicht anders aus: So gab es bei Canon zwar insgesamt ein „robustes Wachstum“ in allen Sparten – doch bedingt durch den starken Yen musste Canon einen Rückgang des Nettoumsatzes gegenüber Vorjahresquartal um 3,1 Prozent auf etwa 1,1 Billionen Yen hinnehmen. Fazit des Quartalsberichtes: Wie es weiter geht, bleibt unklar – zu stark sind die Einflüsse einer möglichen Verlangsamung des Wirtschaftswachstums sowie der Kreditkrise. Doch für das zweite Halbjahr glaubt man bei Canon an eine gesamtwirtschafltiche Erholung, die auch dem Unternehmen zu Gute kommen würde.
Casio
Im vergangenen Jahr hatte Casio noch optimistische Prognosen für das Geschäftsjahr 2007/2008 abgegeben, doch die harten Zahlen sprechen leider eine andere Sprache. So konnte der japanische Mischkonzern im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr zwar mit 623 Milliarden Yen ein leichtes Umsatzplus (0,4 Prozent Steigerung) erzielen – das im Vergleich zu den Erwartungen jedoch nicht der Rede wert ist: Prognostiziert war ein Umsatz von 650 Milliarden Yen. Der Nettogewinn ging sogar um 51,5 Prozent auf 12,188 Milliarden Yen zurück (Vorjahr 25,15 Milliarden Yen).
Vor diesem Hintergrund erwartet Casio für das kommende Jahr keine wirklich „großen Sprünge“: Für das Geschäftsjahr 2008/2009 soll der Umsatz auf 630 Milliarden Yen wachsen (Plus 1,1 Prozent), der operative Gewinn auf 47 Milliarden (Plus von 24,5 Prozent), und der prognostizierte Nettogewinn von 23 Milliarden Yen wäre zwar ein Zuwachs von knapp 89 Prozent gegenüber dem gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr, doch läge noch unter dem von 2006/2007.
Während Casio nicht davon ausgeht, dass man im Heimatmarkt Japan ein entscheidendes Wachstum verzeichnet, rechnet Unternehmens-Chef Akinori Takagi mit deutlichen Zuwächsen auf den weiteren Weltmärkten. Daher geht man bei den Japanern beispielsweise davon aus, dass bis März 2009 weltweit acht Millionen Digitalkameras abgesetzt werden können (Vorjahr 6,5 Millionen Einheiten).
Fujifilm
Bei Fujifilm haben die Ergebnisse gezeigt, so das Unternehmen, dass die strukturellen Reformen in den Jahren 2006 und 2007 Erfolg hatten, eine Grundlage für weiteres Wachstum geschaffen und die Profitabilität deutlich verbessert werden konnte. Auf weltweiter Basis wurde ein Umsatz von 18,02 Milliarden Euro (2846,8 Mrd. Yen) erzielt. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Zuwachs von 2,3 Prozent. Als operativer Gewinn werden 1,31 Milliarden Euro (207,3 Mrd. Yen) ausgewiesen, was einem Anstieg um 83,4 Prozent entspricht.
Besonders erfolgreich verlief die Entwicklung im Bereich Information Solutions (Medical Systems, Life Science, Grafische Systeme, u.a.) der mit einem Anteil von 38,9 Prozent zum Gesamtumsatz beiträgt. Ebenfalls starkes Wachstum wies der Bereich CTP Druckplatten, sowie Beschichtungen für Flachbildschirme und Fotomodule für Mobiltelefone aus. Der Bereich Document Solutions (Bürokommunikation und Dokumentenverwaltung) wiederum wuchs um 3,5 Prozent und weitete den Anteil am Gesamtumsatz auf 41,9 Prozent aus.
„Sorgenkind“ ist jedoch der Bereich Imaging Solutions (Kameras, Speicherkarten, Bilderservice, Papier und Film). Hier kam es zu einem Umsatzrückgang von 9,6 Prozent, der Bereich hat am Gesamtumsatz nur noch einen Anteil von 19,2 Prozent. Die stark verringerte Nachfrage nach fotografischem Film konnte nur teilweise durch den Anstieg bei Papier und anderen Produkten kompensiert werden. Doch: „Auf Basis der nun abgeschlossenen Restrukturierungsmaßnahmen arbeitet auch dieser Bereich wieder profitabel“, so der Wortlaut aus der Jahresbilanz.
Für das laufende Finanzjahr (31. März 2009) wird eine Umsatzsteigerung um 1,9 Prozent prognostiziert, ein Anstieg des operativen Gewinns um 1,3 Prozent und des Ertrags vor Steuern um 5,3 Prozent.
Hoya – Pentax
„Das Ergebnis des Geschäftsjahres 2007 ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben, was hauptsächlich auf den Preisverfall bei Digitalkameras zurückzuführen ist, der unsere Optiksparte betraf“, erklärt Hiroshi Suzuki, Chief Executive Officer von Hoya. So konnte die Hoya Corporation zwar im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2007/2008 (Ende 31. März 2008) einen Nettoumsatzerlös von 135,8 Milliarden Yen erzielen, was einem Plus von 36,5 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum enspricht. Doch der Betriebsertrag des Quartals belief sich nur auf 18,0 Milliarden Yen, ein Rückgang von 26,8 Prozent gegenüber den 24,6 Milliarden Yen im Vorjahresquartal.
Auch der Nettoertrag des vierten Quartals ging zurück: 16,3 Milliarden Yen im Schlussquartal 2007/2008 stehen 19,0 Milliarden Yen im letzten Quartal des vorangegangenen Geschäftsjahres gegenüber. Und der Gewinn je Aktie lag bei 37,71 Yen (Vorjahr 44,11 Yen). Trotz des allgemeinen Rückgangs bleibt der CEO des Unternehmens optimistisch: „Der Beginn des neuen Geschäftsjahres stellt sich besser dar als der entsprechende Vorjahreszeitraum. Wir planen eine proaktive Kapitalinvestition im Geschäftsjahr 2008, um der Marktnachfrage nachkommen zu können.“
Kodak
Eastman Kodak fährt weiter auf Sanierungskurs. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern 10,3 Milliarden US-Dollar umgesetzt, das sind 3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Erfreulich: Der Umsatzanteil des digitalen Geschäftes lag mit rund 6,3 Milliarden (Plus 15 Prozent gegenüber Vorjahr) deutlich über dem des analogen Bereiches (3,9 Milliarden, Umsatzminus 15 Prozent).
Dieser Trend scheint sich fortzusetzen: Die Digitalsparte machte im ersten Quartal dieses Jahres bereits zwei Drittel der Einnahmen aus. Der Umsatz mit digitaler Fotografie wuchs um 10 Prozent auf 1,4 Milliarden US-Dollar, das klassische Geschäft ging um 13 Prozent auf 724 Millionen US-Dollar zurück. Der Quartalsumsatz lag demnach bei 2,1 Milliarden US-Dollar. Mit einer leichten Umsatzsteigerung um 1 Prozent lag Kodak im Bereich der Prognosen.
Vor dem Hintergrund dieser Zahlen sieht Antonio Perez schon „erste Anzeichen für Wachstum“. Der CEO von Eastman Kodak rechnet für dieses Jahr mit schwarzen Zahlen und erwartet ein operatives Ergebnis zwischen 250 und 275 Millionen US-Dollar.
Nikon
Für Nikon ist das abgeschlossene Geschäftsjahr extrem gut zu Ende gegangen und hat dem Kamerakonzern zum wiederholten Male Rekorde bei Nettoumsatz sowie operativem und Netto-Gewinn beschert. Zwar lag der Nettoumsatz mit 955,8 Milliarden Yen etwas unter der Prognose, doch dafür stolze 133 Milliarden Yen über dem Vorjahresumsatz. Der operative Gewinn wuchs von 102 auf 135,2 Milliarden, der Nettogewinn von 54,8 auf 75,5 Milliarden Yen.
Bezogen auf die Absatzzahlen bei Digitalkameras und Objektiven konnte Nikon in allen Bereichen entscheidend wachsen: So konnten die Japaner weltweit knapp 3,1 Millionen Spiegelreflexkameras (Vorjahr: 2,1 Millionen), 4,5 Millionen Objektive (Vorjahr: 2,6 Mio.) sowie rund 8,6 Millionen Kompaktkameras (Vorjahr: 5,9 Millionen) absetzen.
Vor dem Hintergrund der augenblicklichen Wirtschaftslage gibt sich Nikon für das laufende Geschäftsjahr bei den Prognosen eher konservativ: So rechnet der Digitalkamera-Hersteller bis Ende März 2009 mit einem Nettoumsatz von 980 Milliarden Yen und erwartet mit 78 Milliarden Yen beim Nettogewinn einen winzigen Zuwachs, beim operativen Gewinn mit 130 Milliarden Yen sogar einen leichten Rückgang.
Olympus
Bei Olympus war die (Finanz-) Welt in der jüngeren Vergangenheit scheinbar noch völlig in Ordnung: So verzeichneten die Japaner für das zum 31. März abgelaufene Geschäftsjahr 2007/2008 einen um 6,1 Prozent gestiegenen Umsatz von 1.129 Milliarden Yen (umgerechnet rund sieben Milliarden Euro) sowie einen Gewinnanstieg um 21,3 Prozent auf 58 Milliarden Yen (etwa 360 Millionen Euro). Diese Steigerung verdankt Olympus nach eigenen Aussagen vor allem medizinischen Instrumenten und Digitalkameras.
Doch auch hier sieht die Zukunft nur bedingt gut aus: Im laufenden Geschäftsjahr 2008/2009 rechnet der Mischkonzern für den Fotobereich mit einem nahezu gleichbleibenden Umsatz von 320 Milliarden Yen (umgerechnet 1,98 Milliarden Euro) bei einem prognostizierten Gewinnrückgang vor Steuern um knapp 28 Prozent von 33,1 Milliarden Yen (205 Millionen Euro) auf dann 24 Milliarden Yen (149 Millionen Euro).
Panasonic
Für Matsushita, besser bekannt unter dem Namen ihrer Hauptmarke Panasonic, war 2007/2008 das dritte und abschließende Jahr des Restrukturierungsprogramms „Leap ahead 21“ (ungefähr übersetzbar mit „Sprung nach vorn ins 21.Jahrhundert“). Trotz hoher Materialkosten und verschärftem globalen Wettbewerb konnte sich das Unternehmen so in Kernfeldern wie Plasma TV noch stärker aufstellen und in Wachstumsfelder investieren. Das Ergebnis: 9,1 Billionen Yen Netto-Umsatz (77,1 Milliarden US Dollar; Vorjahr 8,9 Billionen Yen), 439,1 Milliarden Yen (3,7 Milliarden US Dollar; Vorjahr 371,3 Milliarden Yen) Gewinn vor Steuern sowie 217,1 Milliarden Yen (1,8 Milliarden US Dollar; Vorjahr 154,4 Milliarden Yen) Nettogewinn. Im jetzt laufenden Geschäftsjahr soll mit dem neuen Dreijahresplan „GP3“ das Wachstum der Firma nach einmal beschleunigt werden.
Panasonic hat sein Produktportfolio in vier Bereiche eingeteilt und die Produktgruppen Plasma TV, LCD TV, HD Camcorder, Blu Ray Disc Recorder sowie Digitalkameras unter dem Oberbegriff „Digital AV Networks“ zusammen gefasst. Plan ist, im Jahr 2010 in diesem Bereich 1,7 Billionen Yen Umsatz zu machen (2007/2008: eine Billion). Der Löwenanteil davon geht auf die Kappe der Plasma und LCD Fernseher, doch auch Digitalkameras sind ein Wachstumstreiber und strategisches Geschäftsfeld: Im Geschäftsjahr 2010 will Panasonic 25 Prozent des weltweiten Bedarfs an Flachfernsehern ab 37 Zoll abdecken, und bei Digitalkameras will man einen weltweiten Marktanteil von 15 Prozent erreichen. Damit will sich Panasonic als einer der bedeutendsten Kamerahersteller der Welt etablieren.
Sony
Sony, seit vielen Jahren in den Schlagzeilen, weil das Geschäft nicht wirklich rund läuft, kann zum Ende des abgeschlossenen Geschäftsjahres endlich wieder einmal äußerst positive Zahlen vorweisen: So legte der CE-Konzern mit einem Umsatz von 8,9 Billionen Yen gegenüber Vorjahr um 6,9 Prozent zu. Der operative Gewinn wuchs sogar von 72 auf knapp 375 Milliarden Yen (422 Prozent Plus).
Ähnlich drastisch der Sprung beim Gewinn vor Steuern (von von 102 auf 466 Milliarden Yen) sowie beim Nettogewinn (126 auf 369 Milliarden Yen). Das Ergebnis spricht eine deutliche Sprache: Sony hat in Sachen der eigenen Restrukturierung das Schlimmste hinter sich und kann wieder positiv nach vorne blicken – vorausgesetzt die gesamtwirtschaftliche Lage wirft der CE-Company keinen Knüppel zwischen die Beine.
Sony macht als Wachstumsfelder vor allem Produktbereiche wie Bravia LCD Fernseher, Vaio PCs, das Spielesegment (PS3), aber auch ganz klar Cyber-shot Digitalkameras aus.

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