Status: Nicht angemeldet

Hertie im Insolvenzverfahren

01.08.2008

Erst vor wenigen Tagen musste Hertie eine Negativmeldung herausgeben: Am 10. Juli verließ mit Claus Cord Ernst, erst seit gut einem Jahr als Geschäftsführer in der Funktion des Chief Operating Officers für Hertie tätig, einer der Topmanager das Unternehmen. Jetzt kommt der nächste Schlag: Die Geschäftsführung der Kaufhauskette Hertie hat wegen Zahlungsunfähigkeit Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, nachdem Gespräche zur finanziellen Restrukturierung bzw. einer Zwischenfinanzierung des Unternehmens gescheitert waren.

Die Lage bei der britischen Investorengruppe Dawnay, Day und Hilco, die vor knapp drei Jahren die Hertie-Filialen von KarstadtQuelle übernommen hatte, ist nach Bekunden des Unternehmens ebenfalls angespannt.

„Wir haben uns intensiv mit Restrukturierungsspezialisten beraten, um die weiteren Schritte vorbereitet in Angriff zu nehmen. Die Insolvenzordnung bietet zahlreiche Möglichkeiten, den Geschäftsbetrieb eines Unternehmens zu stabilisieren und somit eine gute Ausganglage für einen nachhaltigen Turnaround zu schaffen“, so Mark Rahman, Geschäftsführung/CFO der Gesellschaft.

Ein wesentlicher Aspekt sei es, nun unter Insolvenzbedingungen die Rentabilität der einzelnen Standorte gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter einer genauen Analyse zu unterziehen. Man wolle unverzüglich Gespräche über die Finanzierung des Insolvenzgeldes für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hertie GmbH führen. Gemeinsames Ziel der Geschäftsführung und der Belegschaft sei es, den Geschäftsbetrieb im Interesse der Mitarbeiter, der Kunden und der Gläubiger ohne Unterbrechung fortzuführen, erklärte wiederum Erik van Heuven, erst seit November 2007 Geschäftsführer/CMO Hertie.

Um den Fortbestand von Hertie zu sichern, müssten Kredite her sowie eine Landesbürgerschaft. Das Land Nordrhein-Westfalen prüft bereits gegenwärtig, ob und wie man die Warenhauskette retten kann.

Mit 72 Warenhäusern, die jeweils eine Verkaufsfläche von 2.000 bis 8.000 Quadratmetern haben, ist Hertie in eigenen Worten „Deutschlands größter Betreiber von Nachbarschafts-Warenhäusern“. Nachdem die britischen Investoren im September 2005 die Häuser übernommen hatten, wurde zum Teil mit drastischen Sanierungsmaßnahmen versucht, das Geschäft zu stabilisieren. Scheinbar hat man dabei aber nicht richtig hingeschaut: Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erhebt gegenwärtig Vorwürfe gegen die britischen Investoren, man habe sich nicht um die Probleme bei Hertie gekümmert.

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